Europäische Bürgerinitiative: Doch kein Aus für Tierversuche?

Die Europäische Kommission hat Anfang August auf die erfolgreiche Bürgerinitiative zum Verbot von Tierversuchen für Kosmetika reagiert. Tierschutzorganisationen sehen zwar positive Signale und gute Ansätze, für ein generelles Verbot von Tierversuchen bei kosmetischen Inhaltsstoffen stellt sich die Kommission jedoch quer.
Mäuse, Ratten, Fische, Meerschweinchen, Affen, Kaninchen und auch Hunde und Katzen zählen zu den Tieren, an denen am häufigsten kosmetische Inhaltsstoffe vor Markteinführung getestet werden, um deren Sicherheit für Menschen zu prüfen. Gegen diese gesellschaftlich umstrittene und vor allem von Tierschützern abgelehnte Praxis setzte sich die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save Cruelty Free Cosmetics - Commit to a Europe Without Animal Testing“ Anfang des Jahres mit Erfolg ein.
Allein aus Deutschland kamen etwa 21 Prozent aller Stimmen für die neunte erfolgreiche Bürgerinitiative auf EU-Ebene. Zu den Unterstützerorganisationen- und Koalitionen zählen unter anderem die Eurogroup for Animals, der Deutsche Tierschutzbund, die Humane Society International – Europe, PETA sowie Cruelty Free Europe. Die Bürgerinitiative ist eine von bereits fünf EBIs aus dem Bereich Tierschutz und Umwelt, die den notwendigen Schwellenwert von 1 Million Unterschriften erreicht hat.
Ende Januar 2023 war die Bürgerinitiative mit über 1,2 Millionen gültigen Unterschriften der Europäischen Kommission übergeben worden. Wie der DNR berichtete, wurde sie im weiteren Prozess während einer öffentlichen Anhörung im Mai 2023 im Europäischen Parlament vorgestellt und im Juli dort debattiert. Ob und welche Maßnahmen die Europäische Kommission nun ergreifen will, um Tierversuche in der Kosmetikbranche zu reduzieren oder ganz abzuschaffen, legte sie am 25. Juli in ihrer Antwort auf die Bürgerinitiative dar.
Zu den von der Europäischen Kommission vorgesehenen Schritten zählen demnach:
- Schutz und Stärkung des generellen Verbots von Tierversuchen für Kosmetika,
- Arbeit an einem Fahrplan für tierversuchsfreie, andere Testmethoden für die Sicherheit von Kosmetika, sowie
- die Finanzierung der Forschung an alternativen Ansätzen zur Sicherheitsbewertung kosmetischer Produkte.
Maßnahmen der Europäischen Kommission bleiben hinter Erwartungen zurück
Teils erfreut, teils enttäuscht zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund über die Antwort der Europäischen Kommission auf die Bürgerinitiative. Es sei „absolut unverständlich, dass die Kommission scheinbar keinen Handlungsbedarf sieht, um das Tierversuchsverbot für Kosmetik zu stärken“, so Jessica Rosolowski, Fachreferentin für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund.
Sollten kosmetische Inhaltsstoffe nicht mittels tierversuchsfreier Methoden getestet werden können, müsse die Zulassung konsequent abgelehnt werden anstatt Tierversuche weiterhin als Option zu betrachten. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hatte Produzenten angewiesen, rein kosmetische Inhaltsstoffe im Tierversuch zu testen. Als erfreulich benennt die Tierschutzorganisation hingegen die Zusage der Europäischen Kommission, eine Roadmap zu erstellen, um nach und nach von gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen abzusehen. Auch die geplante Beschleunigung des Ausstiegs aus Tierversuchen zu Forschungszwecken wird begrüßt.
Weniger positiv äußerte sich die Europa-Sektion der internationalen Tierschutzorganisation Humane Society International. Trotz begrüßenswerter Einzelmaßnahmen verurteilt die Organisation in ihrer Pressemitteilung die „Kommission aufs Schärfste dafür, dass sie es versäumt hat, das Leiden Tausender von Tieren in Kosmetiktests zu beenden“. Sabrina Engel, Vorsitzende des Organisationskomitees der Europäischen Bürgerinitiative, betonte, die Bürger*innen Europas hätten deutlich gemacht, dass „Tierversuche keinen Platz in unserer modernen Gesellschaft haben“.
Wie die Tierschutzorganisation PETA im Zuge der Anhörung im Europäischen Parlament im Mai beschrieben hatte, fordern die Bürgerinnen und Bürger „ein Ende von Tierversuchen für Kosmetik und andere Chemikalientests sowie einen umsetzbaren Plan hin zu einer tierversuchsfreien Wissenschaft“. Diesen Forderungen müsse die Europäische Kommission nachkommen, um weiterem Tierleiden vorzubeugen. [mi]
EU-Kommission: Offizielle Antwort auf die Bürgerinitiative.
Eurogroup for Animals: Save Cruelty Free Cosmetics.
Pressemitteilung PETA: Anhörung im EU-Parlament.