Euro-7, mehr E-Ladesäulen und wenig Ehrgeiz bei Bussen

Mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Spanien wird Bewegung in diverse Vorhaben aus dem Verkehrsbereich kommen. Elektroauto-Besitzer sollen bald flächendeckender und schneller laden können. Mehrere Verkehrsverbände fordern geringere Dekarbonisierungsziele für Busse.
Spaniens Pläne für die Ratspräsidentschaft
Spanien hat seit dem 1. Juli die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft inne und will unter anderem Bewegung in mehrere Beschlüsse und Verordnungen im EU-Verkehrsbereich bringen. So soll bei der Sitzung des Rats für Wettbewerbsfähigkeit am 25. September die Verhandlungsposition zum Euro-7-Emissionsnormen für Lkw und Pkw abgestimmt werden. Auf der Tagung des Umweltrates am 16. Oktober ist zudem zu erwarten, dass Spanien einen Fortschrittsbericht oder ein allgemeines Konzept über die CO2-Emissionsnormen für schwere Nutzfahrzeuge vorlegen wird. Offenbar will sich Spanien für eine "abgespeckte Version" der Schadstoffnorm Euro 7 einsetzen, wie aus Ratsdokumenten hervorgeht. Zudem soll die Norm gemeinsam mit den CO₂-Flottengrenzwerten für schwere Nutzfahrzeuge sowie der Luftreinhaltungsrichtlinie verhandelt werden.
Schnelleres, ökologischeres, flächendeckenderes Aufladen und Tanken
In den kommenden Jahren sollen mehr Ladesäulen für Elektroautos sowie Tankstellen für alternative Kraftstoffe in der EU installiert werden. Dies ist das Ergebnis eines Gesetzes aus der „Fit-for-55“-Richtlinie, welches der EU-Rat am 25. Juli angenommen hat. Die „alternative fuel infrastructure“-Regulation sei ein „Meilenstein“ im Rahmen der Richtlinie und mit der Hoffnung verbunden, dass zukünftig Bürger*innen in ganz Europa ihre Elektroautos „ebenso einfach werden aufladen können wie heute an herkömmlichen Tankstellen, so der spanische Minister für Transport, Mobilität und städtische Angelegenheiten, Raquel Sánchez Jiménez.
Konkrete Hauptziele für die Neustationierung der speziellen Tankstellen für die Jahre 2025 bis 2030 sehen wie folgt aus: Ab 2025 müssen alle 60 Kilometer entlang des TEN-T-Netzwerks Schnellladestationen für mindestens 150kW für Autos und Wohnmobile ausgebaut worden sein. Ähnliches gilt für Schwerkraftzeuge, für die Stationen mit 350kW eingerichtet werden sollen und zudem bis 2030 die flächendeckende Installation neuer Stationen geplant ist. Ebenso sind für Flug- und Seehäfen neue Regelungen wie die Bereitstellung von Landstrom für Schiffe oder die Versorgung stationärer Flugzeuge mit Strom bis 2025 vorgesehen.
Verkehrsverbände fordern schwächere Dekarbonisierungsziele für Überlandbusse
Die International Road Transport Union (IRU), der Internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) und der Verband der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) forderten Anfang Juli in einem gemeinsamen Schreiben an den ENVI-Ausschuss des Europäischen Parlaments, dass die Dekarbonisierungsziele für Regionalbusse „realistisch” bleiben müssten. Insbesondere eine Differenzierung zwischen Stadt- und Überlandbussen sei notwendig. Überlandbusse sollten aufgrund ihrer besonderen Funktion aus der Definition für Stadtbusse ausgeschlossen werden, so die Verkehrsverbände. Die zur Dekarbonisierung notwendige, spezielle Infrastruktur werde für sie bis 2030 noch nicht fertiggestellt sein.
Stadt- und Fernbusse haben zusammen mit Lkw nach Angaben der EU-Kommission einen Anteil von 6 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU und sind für ein Viertel der Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich. Mit strengeren Emissionsnormen will die EU eine Umstellung des Sektors auf emissionsfreie Mobilität erreichen. Demnach sollten diese Verkehrsmittel bereits 2030 45 Prozent weniger CO₂ im Vergleich zu 2019 verursachen, ab 2035 65 Prozent und bis 2040 auf 90 Prozent der Emissionen reduziert werden. [mi]
Europe Table: Spanien erwägt abgespeckte Euro 7-Version
ENDS Europe (kostenpflichtig): Spaniens Ratspräsidentschaft
Heise.de: EU-Kommission: Lkw und Busse sollen weniger CO₂ ausstoßen
Omnibusrevue: Verkehrsverbände fordern realistische Dekarbonisierung
Pressemitteilung EU-Rat: Alternative fuels infrastructure regulation.